Gestiegene Belastung, Inflation, Konkurrenzkampf um Fachkräfte: Der öffentliche Dienst in Hessen braucht dringend höhere Einkommen
In Hessen finden eigenständige Tarifverhandlungen statt, weil es als einziges Bundesland nicht Mitglied in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ist. Die jüngsten Verhandlungen im Bereich des TV-L wurden am 14. Februar zum Abschluss gebracht. Die Hauptforderungen des dbb für die am 27. Februar gestarteten Verhandlungen in Hessen ist identisch: 7 Prozent, mindestens aber 300 Euro mehr für den öffentlichen Dienst. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen. Darüber hinaus soll – neben strukturellen Verbesserungen, etwa beim Weihnachtsgeld – insbesondere die Nachwuchsgewinnung verbessert werden, beispielsweise durch höhere Ausbildungsentgelte und zukunftsgerechte Übernahmeregelungen.
Der dbb-Tarifchef Andreas Hemsing, der die Verhandlungen mit dem hessischen Innenministerium führen wird, erklärte am 27. Februar: „Hessen hat die Möglichkeit, es besser zu machen, als die TdL bei Ihrem jüngsten Abschluss in der aktuellen Verhandlungsrunde. Statt Ergebnisse hinauszuzögern, muss die Politik schnellstmöglich handeln. Denn die Arbeitsbelastung im öffentlichen Dienst wird immer größer, gleichzeitig frisst die Inflation die Kaufkraft der Beschäftigten auf. Unter diesen Umständen wird es immer schwieriger, neues Personal zu gewinnen und das vorhandene zu halten. Uns fehlen deutschlandweit bereits über Hunderttausende und diese Zahl wird sich aufgrund des demografischen Wandels noch verschlimmern
„Es wird höchste Zeit, nun auch für die Tarifbeschäftigten in Hessen eine deutlich spürbare Einkommensverbesserung zu erwirken, zumal seit dem letzten Tarifabschluss vom März 2024 der Reallohnverlust von über 4 Prozent nicht ausgeglichen ist und die Inflation weiter davongaloppiert“, betont der dbb Landesbund Hessen. „Auch in den Detailforderungen und Erwartungen, u.a. in der Anpassung der Jahressonderzahlung, liegt der wahre Wert der Forderungen“, ergänzt die hessische Tarifausschussvorsitzende, Katja Geweniger.
Für die hessischen Landes- und Kommunalbeamten stellt der dbb Landesbund Hessen klar: „Für uns wird diese hessische Einkommensrunde erst zu Ende sein, wenn die künftige Landesregierung klipp und klar erklärt hat, dass sie das Tarifergebnis zeitgleich und systemgerecht auf die Beamtinnen und Beamten sowie die Versorgungsempfängerinnen und -empfänger überträgt und nicht den Versuch unternimmt, die Statusgruppen gegeneinander auszuspielen. Außerdem wird die Übertragung auf Beamtinnen und Beamte sowie Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger dazu führen, dass wir dem Ziel einer verfassungskonformen Alimentation einen Schritt näherkommen. Es wäre ein wichtiger Vertrauensbeweis, wenn die Übertragung gleich zur Auftaktrunde zugesagt würde.“